Philipp Schmidt

Aussicht? Keine.
Tourismus im Harz
Spiegel online 33/18

Zwischen Elend und Sorge, dann weiter nach Tanne. Von dort über Königshütte und Elbingerode nach Drei Annen Hohne.
Durch den Wald und die Schlucht fließen Bode und Selke. es klingt, als hätte man ein Märchenbuch aufgeschlagen.
Der Blick zurück. Noch drei Tage Urlaub im Harz. Man wohnt in Braunlage. Die Pension ist ruhig und familiengeführt.
Alles ist sehr ordentlich. Aber Haare kämmen wäre bei dem Wind nun nicht nötig gewesen.
Die Rappbodetalsperre im Oberharz überspannt eine 483m lange Stahlseilbrücke.
Man kann für sechs Euro hinüber laufen und in die Tiefe blicken. Oder sich für 79 Euro in eben selbige hinabstürzen.
Natürlich an einem Gummiseil. Hut dabei gut festhalten!
Am Ausgang des wild-romantischen Bodetals kann man was erleben.
Es gibt einen Kletterwald, eine Katzenschaukel und Softeis in verschiedenen Farben. Die Kinder sind außer sich.
Man wundert sich, wie einfach Glück sein kann.
Hinter der Seilbahnen Erlebniswelt in Thale tut sich das wild-romantische Bodetal auf.
Glucksend und murmelnd fließt der Bach über die Steine, kühlt die vom wandern heißen Füße und umspielt die Hände.
Man wundert sich, wie einfach Glück sein kann.
Königsruhe und Prinzensicht, Goethe und Heine.
Es ist deutsch.
Aber wo sind nur all die Japaner?
An der Bundesstraße zwischen Goslar und der Oktertalsperre befindet sich das
„Königreich Romkerhall“. Das alte Jagdschlösschen von König Georg V. von Hannover ist sein
Mittelpunkt und bietet neben Riesenwindbeuteln Übernachtungen in Königlichem Schlafgemach an.
Nebst eigener Flagge hat man auch eine eigene Währung. Euros werden akzeptiert.
Auf die Berge will ich steigen, Wo die frommen Hütten stehen,
Wo die Brust sich frei erschließet, Und die freien Lüfte wehen.
Auf die Berge will ich steigen, Wo die dunkeln Tannen ragen,
Vögel singen, Und die stolzen Wolken jagen.

(Heinrich Heine, Aus: Die Harzreise, 1824)
Kahl ist die stets windumtoste Bergkuppe des Brockengipfel. Und der Aufstieg für Kinderbeine und Fahrradfahrer
zu gleicher Maßen mühsam. Doch der Ausblick in die norddeutsche Landschaft versöhnend gradios.
Der Harz ist gemütlich. Man hat es nicht eilig.
Geduldig wartet man auf die nächste Bahn auf den „Brocken“ oder runter ins Tal nach Werningerode und trinkt sein Bier.